Dort, wo sich das "Tor zur
Rheinhessischen Schweiz" befindet, blickt man auf eine alte Wassermühle:
die Geistermühle. Sie liegt idyllisch im Wiesbachtal, umringt von
Rebstock bewachsenen Hügeln und vom Wiesbach umwunden, zwischen
den Weindörfern Flonheim und Wendelsheim.
Der denkmalgeschützten Mühle in fränkischem Baustil wurde
am 25. Juni 1355 das Wasserrecht verliehen. Lange Zeit kann man nun
nichts mehr in alten Büchern über das Gehöft aufstöbern,
wobei auch das Gerücht umgeht, es habe sich hier ein Kloster befunden.
Ebenso wurde gegen Ausgang des Mittelalters gemunkelt, es spuke in der
schon damals so benannten "Geister"-mühle. Dies mag zu
dem in früheren Jahrhunderten häufigen Besitzerwechsel geführt
haben, der uns bekannt ist.
Ab 1732 bewirtschaftete die mennonitische Familie Gallé das Gehöft,
deren Bauaktivität der heutige Charakter zu verdanken ist. Einige
Gebäude stehen noch ebenso wie sie damals erbaut wurden: Scheune,
Keller, Gartenmauer... 1849 verkauften Gallés die Geistermühle.
Der Neubesitzer Valentin Trapp nahm etliche technische Neuerungen vor,
installierte z.B. neben dem Wasserrad eine erste Turbine, baute eine
Knochenstampfe und Stärkefabrik. Nach seinem Tod erwarb unser Urgroßvater
Jakob Zimlich II im Dezember 1895 die Geistermühle. 1949 noch baute
der letzte Müllermeister der Geistermühle, Heinrich W. Zimlich,
gleichzeitig auch Winzermeister, die Mühle um, wobei er unter anderem
das Wasserrad durch eine "Ossberger Durchströmturbine"
ersetzte. Bedingt durch wirtschaftliche Verschärfungen nahm er
einige Jahre später an der 1. Mühlenstilllegungsaktion teil.
Danach wurde die Mühle bis 1985 zur Futterschroterei und zum Haferquetschen
genutzt. Bis vor kurzem diente sie noch als Getreidelager.
Als älteste das Wasserrecht noch nutzende Mühle Rheinhessens
wird die Wasserkraft heute zur Stromerzeugung mittels des Turbinenradantriebs
über einen Asynchrongenerator verwendet. Mit dem Elektrizitätswerk
stehen wir in einem "Verbundsystem auf unterstem Leistungsniveau",
was bedeutet, dass wir Strom ins Netz einspeisen und bei Bedarf auch
daraus entnehmen können.
Zwar ist die Geistermühle nun nicht mehr
aktiv, das Inventar wurde aber vollständig erhalten. Aus diesem
Grund können wir jährlich am Deutschen Mühlentag teilnehmen
und bei Führungen den Weg vom "Korn zum Mehl" erklären.
Die Geistermühle, zu der neben dem Mühlenbetrieb auch schon
seit Jahrhunderten Weinberge zählen, hat sich mittlerweile ganz
dem Weinbau verschrieben - eine Passion, die wir mit Begeisterung ausleben.
In der Mühle finden sich gerne Gesellschaften ein, zum Beispiel
Wandergruppen, die bei uns vespern und unseren Wein probieren. Ebenso
können Sie den Mühlenraum für Ihre Feierlichkeiten anmieten.